Torfbahn im Himmelmoor

Westlich von Quickborn liegt das Himmelmoor. Es hat eine Ausdehnung von etwa 600 ha, wovon etwa 150 ha zum Torfabbau benutzt wird. Der Torf wird auch heute noch mit einer Feldbahn zum Torfwerk an der Himmelmoor-Chaussee gebracht.

Die Strecke führt vom recht umfangreichen Werkbahnhof im rechten Winkel durch eine mit Gras bewachsene Allee Richtung Moor. Es steht zwar ein Verbotsschild am Anfang des Weges, doch werden Fußgänger und Radfahrer zumindest am Wochenende toleriert. Es lohnt sich aber als Fußgänger sich an den ausgeschilderten Weg (vorm Verbotsschild rechts) zu halten. Er führt über einen Damm aus Torf durch den ausgebeuteten Teil des Moors, der renaturiert ist. Hier beginnt die Natur erneut die Torfproduktion. Später stößt der Weg wieder auf die Strecke.

Gleich am Anfang zweigt ein altes Streckengleis so nach rechts ins Moor, dass der Zug zurücksetzen muss. Das Gleis ist schon seit Jahren nicht mehr benutzt worden und vollständig zugewuchert. Entdeckt habe ich es nur, weil eine Brücke über einen Graben führt. Auf dem oberen Bild zweigt das Gleis direkt hinter dem Verbotschild ab.

Torffahrzeuge

Das Torfwerk besitzt eine große Anzahl Torfloren. Die meisten sind in einem guten Zustand. Sie stehen am Wochenende gefüllt auf dem Werkbahnhof. Es sind immerhin 52 Stück, so dass sie auf zwei Gleise aufgestellt werden müssen. Ein kurzer Zug mit sieben älteren, scheinbar nicht im Einsatz stehenden Loren, steht etwas abseits. Das Holz dieser Loren könnte einen Antrich vertragen. Grundsätzlich scheint es in Ordnung zu sein.

Die Torfloren bestehen aus einem eisernen Untergestell, das einen hölzernen Aufbau trägt, der lediglich einige Metallverstärkungen aufweist. Erstaunlich ist der kurze Radstand, bei einer recht großen Länge. Sie haben 4-5 qm Fassungvermögen.

Das Untergestell besteht aus U-Profilen, die über die ganze Länge des Fahrzeugs reichen. Sie sind an den Enden mit U-Profilen verbunden. Mittig besitzen sie eine Querstrebe aus Vierkantmaterial. Unter dem oben erwähnten Rahmen sind nochmal zwei kurze U-Profile geschraubt. Sie tragen die Radlager.

Die Loren besitzen Mittelpuffer, die über eine Kette gekuppelt werden. Die Puffer tragen zusätzlich kleine Verschleißstücke, das beim linken Wagen schon sehr abgenutzt ist.
Mit dem Metallbügel am linken Fahrzeug kann man die Seitenwand öffnen und schließen. Bei genauer Betrachtung erkennt man bei den Fahrzeugen nur einen Bügel. Deshalb kann nur eine Seitenwand abgeklappt werden. Die Loren sind also „Einrichtungsfahrzeuge“, die nicht gedreht werden. Ich habe auch auf der gesamten Bahn keine Wendemöglichkeit gefunden.

Den Grund für die zu öffnenden Klappen sieht man hier. Im Werk wird die die Lore mit Haken an den Rädern eingehakt und seitlich gekippt.

Loks

Bei meinem Besuch am 5.9.04 standen im offenen Schuppen des Betriebshof vier Loks eines mir unbekannten Typs, die wohl nur noch der Reserve dienen. Der Platz und die Lichtverhältnisse ließen es nur zu, drei Loks zu fotografieren. Genauere Beschreibungen gibt es in den entsprechenden Unterabschnitten.

Diese Lok ist von Diema.

Diese Lok ist ein Eigenbau.

Diese Lok wird Curry genannt.

Tandemlok

Das Highlight ist eindeutig die Tandemlok. Sie ist ein Eigenbau auf zwei Gmeinder-Fahrwerken.

Hier steht die Lok in aller Pracht. Während im vorderen Teil der Motor untergebracht ist, sitzt die Fahrzeugführerin bzw. der Fahrzeugführer auf dem hinteren Teil.

Der Motor ist ein Vierzylinder von Deutz mit 50 PS. Er überträgt seine Kraft mit Hilfe einer Verstellpumpe, die mit einem Steuerhebel bedient wird, …

… hydraulisch auf je einen Hydraulikmotor pro Fahrzeugteil. Der wiederum treibt über Ketten die beiden Achsen eines Teils an. Die Kraft wird über Schläuche, …

… die in einem Rohr zum zweiten Teil laufen, übertragen. Beide Lokteile sind technisch weitgehend indentisch. Nur liegt im vorderen der Motor dort, wo im hinteren die Beine des Fahrers stehen.

Ein interessantes Detail sind die Sandstreuer. Ein Eimer mit Schaufel und zwei Löcher im Boden reichen.

Die Technik hat wohl einige Entwicklung hinter sich. Probleme bereiten verschiedene Reibwerte unter den beiden Fahrzeugteilen, die dazu führen können, dass ein Fahrzeugteil schleudert und so die Kraft dem Fahrzeugteil mit guter Traktion entzieht. Hier wurden Versuche mit hydraulischen Kraftverteilungen gemacht, die aber aufgegeben wurden, weil das Hydrauliköl überhitzte. Als besten Kompromiss hat sich die Verstellpumpe mit parallel geschalteten Motoren herauskristallisiert. Hiermit kann der Fahrzeugführer dem schleudernden Fahrzeugteil per Hand die Antriebskraft entziehen und dem mit genügend Traktion mehr Antriebskraft zuteilen. Die Lok ist in der Lage einen beladenen Zug mit zwölf Loren zu ziehen.

Eigenbaulok

Eine andere Eigenbaulok steht am 10.10.04 vor einem Personenzug.

Diese Lok wurde auf einem Rahmen einer Gmeinder-Lok aufgebaut. Der Motor ist ein Vierzylinder-Deutzmotor mit etwa 50 PS. Das hydraulische Getriebe entstammt einem Gabelstabler. Der Umbau fand 1990 statt.

Am trüben 23.3.05 kommt die Lok mit einem Torfzug aus dem Moor.

Diemalok

Diese Lok wurde von Diema gebaut. Sie ist die einzige Lok, die noch weitgehend im Originalzustand ist. Sie stammt aus den 1950er Jahren. Angetrieben wird sie von einem zweizylinder Deutzmotor mit 18 PS bei 1800 U/min.

Das Dreiganggetriebe mit Diema-Logo

Curry

Bisher hatte ich noch keine Gelegenheit ein besseres Foto von der Lok zu machen. Daher das gleiche nochmal….

Diese Lok dient nur dazu, ab und zu eine der Spezialloren ins Moor zu bringen, und steht selten im Einsatz. Sie ist aus allem Möglichen zusammengewürfelt. Der ursprünglich verwendete Ilo-Zweitakt-Motor wurde z.B. durch einen Deutz-Motor mit 11 PS ersetzt.

Draisine

Die Draisine ist, wie kann es anders sein, ein Eigenbau auf einem Fahrgestell einer ehemaligen Fräse.

Der Motor ist ein Honda 5,5 PS Standard-Industriemotor. Das hydraulische Getriebe stammt von der Frima Sauer.

Der Antrieb erfolgt durch eine Kette auf eine Achse. Der Wagenheber gehört zur Standardausrüstung jedes Triebfahrzeugs.

Kupplungen gibt es nicht, sondern nur kleine Holzpuffer. Es geht auch mit dem Stiel einer abgebrochenen Axt.

Sonderfahrzeuge

Neben den für den Torfabbau benötigten Loren besitzt die Torfbahn einige Sonderfahrzeuge. Die meisten sehen sehr nach Selbstbau auf dem Standardfahrwerk aus.

Das auffälligste Sonderfahrzeug ist dieser Personenwagen. Ein mit Dachpappe verkleideter Kastenaufbau aus Holz trägt ein Blechdach. Die Innenausstattung besteht aus zwei gegenüberliegenden Holzbänken und einem dazwischen liegenden Tisch. Hier können die Arbeiter wettergeschützt ihre Pausen verbringen. Interessant ist der Stoffhimmel aus einer Steppdecke. Sie soll einiges an Wärme bringen. Der Wagen ist wohl älter, denn er ist nicht auf dem sonst üblichen Fahrwerk aufgebaut.

Auch wenn Chemo drauf steht, ist keine Chemie drin. Der Wagen dient als Feuerlöschfahrzeug. Es passiert bei Trockenheit immer wieder, dass das Moor an der Oberfläche brennt. Dies lässt sich im allgemeinen leicht löschen, weil das Moor wenige Zentimeter unter der Oberfläche feucht ist. An jeder Lok ist einen kleiner Wassertank mit Handspritze montiert. Hiermit werden kleine Brände gelöscht. Selbst die Blumengießkanne reicht.

Dieser Tankwagen dient als Tankstelle für die im Moor benutzten Bagger.

Das Schweißgerät ist auf einem kleinen Lorenfahrgestell montiert.


   Kategorie: Bahngesellschaften