Jyväskylä, Finnland

Im Oktober 2007 reiste ich zur Fortbildung nach Jyväskyla in Finnland, um von dem im internationalen Vergleich gut dastehenden Schulsystem etwas für meine Arbeit mitzunehmen. Nach den Veranstaltungen hatte ich am frühen Abend Gelegenheit, mich ein bisschen am Bahnhof umzusehen.

Jyväskyla liegt ungefähr 250 km nördlich von Helsinki im Seengebiet von Mittelfinnland. Die Stadt ist mit etwa 85 000 Einwohnern die neuntgrößte Stadt in Finnland. Hier treffen sich drei Bahnlinien. Nach Westen geht es Richtung Vaasa, Richtung Osten nach Pieksämäki und Richtung Süden über Turku nach Helsinki.

Der Bahnhof von Jyväskylä

Der Bahnhof ist vollständig neu gebaut und 2002 eröffnet worden. Er ersetzt die noch aus der Gründerzeit der Bahn stammenden Holzgebäude. Bedient wird der Bahnhof von der aus der ehemaligen finnischen Staatsbahn hervorgegangenen VR-Group.

Das alte Bahnhofsgebäude aus der Gründerzeit

Neben den alten Bahnhof ist eine gepflegte Denkmallok unter einem Glasdach aufgestellt. Es handelt sich um eine C1 Tenderlok von 1931 mit der Nummer 961. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 50 km/h.

Die Denkmallok

Der Reiseverkehr kann eher als sparsam bezeichnet werden. Der Fahrplan zeigt Wochentags nur 21 abgehende Züge auf immerhin drei Strecken. Ein Taktverkehr ist nicht zu entdecken. Zwischen 10:44 Uhr und 13:22 Uhr fährt gar kein Reisezug. Der Bahnhof hat vier Personenbahnsteige, wobei das Gleis 3 ein Stumpfgleis ist, das von Süden in den Bahnsteig von Gleis 2 hereinragt.

Der Güterverkehr ist da schon wesentlich intensiver. Über den Tag werden von den umliegenden Ladestellen die Wagen gesammelt und auf den neun Gütergleisen zu neuen Zügen zusammengestellt. Es sind hauptsächlich Schiebwandwagen und Stammholz zu sehen.

Personenverkehr

Der wenige Personenverkehr wird von Regional-, Express-, IC- und Pendelinozügen geleistet. Für einen Vergleich der Fahrzeiten habe ich mir die 150 km lange Strecke Jyväskylä – Tampere herausgesucht. Eine Direktverbindung im Regionalverkehr gibt es nicht. Hier muss man umsteigen. Die reine Fahrzeit beträgt 2:29 Stunden. Alle anderen Züge fahren direkt. Die Expresszüge und ICs benötigen 1:31 Stunden, der Pendelino 1:20 Stunden.

Der Regionalzug 451 nach Vaasa verlässt am 25.10.07 um 16:33 Uhr den Bahnhof.

Der IC 917 von Turku nach Pieksämäki läuft am gleichen Tag um 17:00 Uhr mit einer viertel Stunde Verspätung in den Bahnhof ein. Interessant ist die Zusammenstellung mit drei Doppelstock- und drei normalen Reisezugwagen.

2 1/2 Stunden früher steht der Pendelino S88 nach Helsinki abfahrbereit an Gleis 1.

Ein Pendelino übernachtet auf einem Nebengleis im Bahnhof von Jyväskyla. Dieses Foto ist am 22.10.07 aufgenommen.

Güterverkehr

Für den Güterverkehr stehen neun Gleise parallel zum Personenbahnhof zur Verfügung. Natürlich gibt es auch noch einige Ziehgleise an den Bahnhofsköpfen.

Auf der Übersichtsaufnahme sind links die vier Personengleise zu erkennen. Gleis 3 endet etwa auf der Hälfte des Bahnsteigs. Rechts liegen die Aufstellgleise auf denen die Güterzüge zusammengestellt werden.

Am Mittag sind die Gleise noch fast leer. Im Laufe des Abends kommen immer mehr Wagen dazu. Es scheint ausschließlich Wagenladungsverkehr zu geben. Die im oberen Bild zu sehenden Container sind eher eine Ausnahme. Schiebewandwagen und Stammholz beherrschen das Bild.

Einer der vielen Holzzüge

Ein Schiebewandwagen

Lokomotiven

Die Auswahl an Lokomotiven erscheint in Finnland nicht sehr groß zu sein. Den Streckendienst übernahmen Elektrolokomotiven der Reihen Sr1. Im Rangierverkehr und im verdieselten Regionalverkehr waren Loks der Reihe Dv12 zu sehen.

Die Sr1 ist eine mit finnischen elektrischen Teilen verfeinerte russische Lokomotive mit 3100 kW. Die ersten Loks mit einer Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h wurden ab 1973 geliefert. Eine Nachbestellung von 160 km/h schnellen Fahrzeugen gab es 1995-2003.

Die Loks 3068 und 3040 aus der ersten Bauserie der Sr1 warten auf ihren nächsten Einsatz im Streckendienst. Die hintere Lok wird später den Zug auf der Übersichtsaufnahme im Abschnitt Güterverkehr Richtung Süden ziehen.

Die Dv12 ist eine leichte Mehrzwecklokomotive mit einer nahen Verwandschaft zu den deutschen V100.2 und V160 (identische Drehgestelle). Sie besitzen ein Zweiganggetriebe einem Traktionsgang für 85 km/h und einem Streckengang für 125 km/h. Von der Lokmotivreihe wurden 192 Exemplare in fünf Baulosen zwischen 1963 und 1984 beschafft. Alle Loks, die ich gesehen habe, sind mit einer automatischen Kupplung ausgerüstet.

2719 wartet an der Tankstelle mit einem Personezug am Haken auf ihren Einsatz nach Vaasa.

Die gleiche Lok von oben

Die Lokomotiven 2727 und 2738 haben gerade einen etwas längeren Holzzug gebracht. Nun umfahren sie den Zug um auf den nächsten Einsatz zu warten.


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