Am Wochenende 17./18.9.05 feierte der Verein Lübecker Verkehrsfreunde das 140. Jubiläum der Strecke Hamburg-Lübeck mit einen Sonderzug. Er fuhr am Samstag die von Hamburg nach Puttgarden und zurück. Am Sonntag wurde die Strecke Hamburg-Lübeck mehrmals befahren.

Zum ersten Mal fahre ich gezielt hinter einem Zug her, um ihn zu fotografieren. Dazu bestelle ich mir die Fahrplanunterlagen für die Autobegleitung. Sie sind mit 10 Euro vergleichsweise günstig und eine gute Hilfe bei der Planung. Am Freitag nehme ich mir meine Radfahrkarten im Maßstab 1:100 000 vor und suche Straßen, die möglichst dicht an die Gleise führen. Gleichzeitig müssen die Fotostandorte so weit auseinder liegen, dass es möglich ist, den Zug, der mit 100 km/h Höchstgeschwindigkeit fährt, immer wieder zu überholen. Dank vieler Fotohalte im Fahrplan sollte es keine Schwierigkeit sein.

Der Samstagmorgen beginnt eher frustrierend. Frühzeitig stehe ich auf und bin pünktlich an der Strecke in der Nähe von Kupfermühle. Doch alles ist zugewachsen, so dass ich keinen vernünftigen Fotostandort finde. Das erste Foto ist dann auch nicht brauchbar. Es sind nur die Dome der Lok und ordentlich Dampf zu sehen.

Also steige ich wieder ins Auto und fahre in Bad Oldesloe auf die Autobahn. Kaum bin ich 500 m drauf, da meldet sich das Verkehrsstudio. Die Autobahn ist zwischen Bad Oldesloe und Kreuz Lübeck wegen Bergungsarbeiten gesperrt. Schon stehe ich im Stau und sehe meine Fotofahrt mit jeder Minute Stillstand in den Stau fallen. Doch ist die Sperrung nur kurz, so dass es nach 1/2 Stunde weitergeht. Der Zug hat in Lübeck, Timmendorf und Scharbeutz längere Aufenthalte. An der Autobahnausfahrt Scharbeutz-Nord habe ich ihn eingeholt. Also gleich von der Autobahn runter. Glücklicherweise benutzen Bahn und Autobahn die gleiche Brückendurchfahrt. So kann ich gleich neben der Autobahn ein Foto machen.

Der Zug mit dem Doppelstockwagen der Lübeck-Büchener-Eisenbahn nördlich von Scharbeutz.

Doch halt, was ist das. War nicht eine BR 03 angekündigt? Na ja, mit eine BR 23 kann man auch gut leben.

Der Zug ist vorbei, also Kamera einpacken und weiter gehts. In Oldenburg hat der Zug etwa 30 Minuten Aufenthalt um den dänischen IC3 vorbeizulassen. Also suche ich einen Fotostandort weiter nördlich. Zwischen Göhl und Heringsdorf führt die Straße kilometerweit neben der Bahn her, da wird sich schon etwas finden. Doch auf dem Weg zwischen Oldenburg und Göhl liegt der Bahndamm völlig frei zwischen zwei Felder. Das ist es! Nur ist die Straße nördlich von der Bahn. Also stellte ich das Auto in Göhl ab und laufe zurück bis km 55,6.

Der Dampf ist meilenweit zu sehen. Das Licht super. Ich stelle die Kamera ein und freue mich über den freien Blick. Da lassen sich viele schöne Bilder machen. Die Sonnenblumen im Vordergrund werden schöne Farbtupfer sein. Die Lok kommt in Sicht jetzt geht es gleich los. Doch was ist das? Der Himmel vor mir ist vollständig blau. Aber hinter mir kommt eine Fotowolke angeflogen. Immerhin gibt es noch ein paar Fotos, auf denen der Zug ordentlich beleuchtet ist. Doch die Wiese davor ist schwarz.

Westlich von Göhl. Die dunkle Wiese im Vordergrund zeigt das Pech des Fotografen.

Die nächste und wichtigste Chance auf ein gutes Foto ist Großenbroderfähre. Der Zug auf der Brücke bei Kaiserwetter: das wäre es. Doch der stramme Fußmarsch zurück nach Göhl hat mich aus dem Takt gebracht. Die Autofahrt bremsen die vielen Hamburger Kurzurlauber und meine Überzeugung, dass Verkehrregeln einen Sinn haben. Zwischen Großenbrode und Großenbroderfähre fahre ich an vielen Eisenbahnfans mit gezückten Kameras vorbei. Also bin ich vor dem Zug.

In Großenbroderfähre endet die Straße vor einer Absperrung und viele Privatgrundstücke versperren den Weg zum Wasser. Zwei Camper, die das gute Wetter zum Abbauen benutzen lassen mich freundlicherweise einen Pfad zum Wasser benutzen. Da kommt auch schon der Zug. Diesmal gelingen die Fotos.

Der Zug auf der Fehmarnsund-Brücke. Er besteht aus BR 23 1019 vom Lausitzer Dampflok Club, Doppelstockwagen des Vereins Lübecker Verkehrsfreunde, 2 Personenwagen, Speisewagen, 2 Peronenwagen (Lausitzer Dampflok Club) und Lok 01 der AHG Gruppe (Ex DR V100)

Nun ist erst einmal Zeit zum Mittagessen. In Puttgarden haben Zeit die Fahrgäste das Verkehrsmittel zu wechseln und mit der Fähre eine Abstecher nach Dänemark zu machen. Der Zug wird derweil in Puttgarden abgestellt. Ich lasse es gemütlich angehen, schaue mir ihn noch an. Der Bahnhof ist in einem erbärmlichen Zustand. Der Güter- und Abstellbereich wird nicht mehr genutzt. Immerhin sind noch keine Gleise abgebaut. Die Absperrungen und Schranken stehen aber nicht mehr. So ist es völlig problemlos zum Zug zu kommen. Eine Besichtigung und ein paar Gespräche mit dem freundlichen Bordpersonal sind drin. Dann kommt die Lok vom Wasser Nehmen zurück.

Die Heizerseite der 23 1019
Die Lokführerseite: weiter nach links ging es leider nicht, da steht der Zug.

Frühzeitig fahre ich wieder zurück nach Großenbroderfähre und erkunde die Umgebung. Diesmal warte ich auf der Hafenmole und schieße viele Fotos vom Zug. Doch die Sonne ist schon zu weit herumgewandert, so dass der Zug im Schatten liegt. Die Ergebnisse sind nicht besser als das obige Bild.

Die Fahrt geht weiter nach Oldenburg, doch da komme ich zur Abfahrtszeit an, so dass ich lieber gleich weiter nach Grüner Hirsch fahre. Der Ort heißt wirklich so. Über eine Wiese komme ich problemlos zum Bahndamm. Es kommen zwei Fans, die ich schon in Großenbroderfähre getroffen habe. Wir prüfen die Sicht. Sie wird von einem Rosenstrauch gestört, so dass wir uns entschließen, uns auf das zweite scheinbar nicht mehr benutzte und schon sehr zugewachsene Gleis zu wagen. Die Fotos sind super.

Der Zug passiert Grüner Hirsch. Ein bisschen Mut bei der Wahl des Fotostandorts wird mit Aktion belohnt.

Weiter geht es nach Ratekau. Hier komme ich recht früh an, so dass ich in Ruhe ein schönes Motiv suchen kann. Zum Zeitvertreib lese ich noch etwas Zeitung im Auto. Nach kurzer Zeit halten die Fotofreunde neben mir. Es gibt scheinbar wirklich nur wenig ordentliche Fotostandpunkte.

Die Strecke geht in Ratekau nun bis Lübeck bergab.

In Lübeck wird die Lok abgespannt und der Zug mit BR 203 nach Hamburg gefahren. Also begebe ich mich auf den Heimweg. In der Gegend um Bad Oldesloe suche ich noch geeignete Fotostandpunkte für den nächsten Tag. Ich finde auch interessante Motive.

Am Sonntag stehe ich wieder früh auf, bin bei Deutschlands „Schicksalswahl“ der erste, fahre ich nach Steinfelderhude und warte an der Brücke auf den Zug. Leider ist auch hier der Bahndamm so zugewachsen, das ich nie die ganze Lok ablichten kann. Außerdem fährt sie hier volle Geschwindigkeit. Da ist der richtige Auslösezeitpunkt wichtig.

Auch wenn sie recht kurz ist, hat es mir die Brücke bei Steinfelderhude angetan. So etwas findet man bei uns selten.

Jetzt habe ich zwei Stunden Zeit, bis der Zug zurückkommt. Also fahre ich zur Nordbahn und mache zwei Fotos. Für mehr passt der Fahrplan nicht. Aber ich weiß schon, wo ich demnächst Fahrrad fahren werde. Die kleinen Strßen sind ideal.

Dann warte ich noch eine halbe Stunde an der Trave, um den Zug auf der Brücke über die B75 bei Kneeden abzulichten. Doch hier macht sich Enttäuschung breit. Die Diesellok zieht den Zug. Die Dampflok lässt sich rückwärts mitziehen.

Der enttäuschende Abschluss eines sonst gelungenen Wochenendes. Gern hätte ich den Zug von Bad Oldesloe kommend und noch beschleunigend fotografiert.

Dafür lohnt es sich nicht noch einmal 6 Stunden in Bad Oldesloe zu verbringen. Daher breche ich ab und fahre nach Hause, um diesen Bericht anzufangen…