Hausbau

Da das Anlagenthema norddeutsch um 1900 ist, kommen die Bausätze der Großserienhersteller nicht in Frage. Ich kenne kein Gebäude mit norddeutschem Vorbild. Kleinserie oder Papierbausätze sind also gefragt. Der eine oder andere Selbstbau ist sicher auch möglich. Hier liegt eine besondere Anforderung. Wie kombiniert man Papierbausätze mit Plastikbausätzen ohne, dass es einen sichtbaren Bruch gibt?

Der Bau der Häuser wird wohl einige Zeit in Anspruch nehmen. Dies liegt nicht nur daran, dass eine stattliche Anzahl von Häusern den Hafen umrahmen werden, auch gehört diese Tätigkeit nicht zu meinen liebsten Beschäftigungen.

Um eine möglichst große Tiefenwirkung zu erreichen, möchte ich zwei Häuserzeilen hintereinander aufbauen. Während die vordere durchgestaltet wird, werden von der hinteren nur die Giebel zu sehen sein.

Die Häuser der vorderen Zeile werden von rechts beginnend immer stärker in Halbrelief-Bauweise gefertigt. Das bedeutet, dass das rechte Haus in Vollbauweise entsteht und die nächsten Bauten immer kürzer werden. So werden die halben Häuser beim Blick von rechts getarnt.

Als Technik benutze ich falls nicht anders angegeben, die in den Basteltipps beschriebene (Modellbahn-Basteltipps -> Landschaftsbau und -ausgestaltung ->Hausbau (streng) nach Vorbild). Die Häuser werden der Planung nach durchnummeriert. Erst wenn alle Häuser fertig sind, wird nach einer Stellprobe die Reihenfolge auf der Anlage festgelegt.

Die hinteren Häuser können aus Papierbausätzen bestehen, die einen kleineren Maßstab aufweisen. Sie werden auf Sperrholz aufgezogen und ausgesägt. Eine entsprechende Farbgebung der Seiten geben die Illusion der räumlichen Tiefe.

Fassadengestaltung

Auf einer Epoche I Anlage sollten auch die Häuser zeitgemäß aussehen. Um 1900 standen noch keine modernen Baumaterialien und Farben zur Verfügung. Auch die landschaftstypischen Oberflächen müssen berücksichtigt werden. Hier genügend Informationen zu erhalten ist ein schwieriges Unterfangen. Auf zeitgenössischen Fotos ist die Struktur der Hausfassden nur bei Großaufnahmen zu erkennen. Fassaden von Häusern, die weiter im Hintergrund stehen, sind kaum im Detail zu erkennen. Nur aus dem Grauwert lassen sich Rückschlüsse auf die Farbgestaltung ziehen. Colorierte Postkarten idealisieren die Gebäude stark und lassen sie häufig schneeweiß erscheinen. Sie zeigen im allgemeinen die hübschen Seiten der abgebildeten Stadt.

Folgende Informationen habe ich bisher durch Diskussionen im Internet oder mit einem Architekten gefunden. Bei der Darstellungen gehe ich vom Jahr 1900 aus.

Grundsätzlich hat man im Norden eine Fassade aus Hartbrandziegeln vorgezogen, weil sie dem rauen Klima am besten widerstehen. Sie besteht aber aus einem Verblendmauerwerk, das die Baukosten erhöht. Dieses konnten sich einfache Leute wohl nur selten leisten. Sie hatten wohl nur ein einfaches Mauerwerk, dass durch Schlämmen oder putzen vor eindringendem Wasser geschützt wurde.

Ältere Häuser waren häufig aus Fachwerk. Die Gefache wurden mit Lehm gefüllt oder ausgemauert. Beim Lehm ergibt sich eine glatte Fassade. Das Mauerwerk wurde häufig geschlämmt. Hierbei wurde die Fassade nur zum Teil geglättet, die Mauerstruktur scheint noch durch. Auch wurden Häuser ohne Fachwerk gebaut und geschlämmt.

Modernere Häuser wurden schon geputzt. Inbesondere Häuser, die dem Klassizismus und dem Historismus zugeteilt werden können, waren verputzt.

Ingesamt hatten die Häuser häufig eine Schmuckfassade, die mit teuren Arbeitsweisen entstand. Die anderen Wände waren sehr einfach gehalten. So ergaben sich durchaus Mischungen, so dass die Fassade aus Ziegeln bestand, die Seiten aber geputzt waren.

Vorbildfoto

Beginnen möchte ich mit einem schon gezeigten Foto vom Hafen aus Flensburg. Es stammt aus dem Buch „Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein, Band 2 Flensburg“ (S.48). Es zeigt die Schiffbrücke 1864 vom Osten aufgenommen. Die angegebenen Fassdengestaltungen sind Vermutungen.

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  • Traufseite: älteres Haus wahrscheinlich weiß geschlämmt
  • Traufseite mit Zwerchgiebel: älteres Haus wahrscheinlich dunkel geklinkert
  • Traufseite mit Zwerchgiebel: wahrscheinlich weiß geschlämmt
  • Traufseite mit Zwerchgiebel: Fachwerk
  • Kleines Haus mit Grundstücksmauer: weiß geputzt oder geschlämmt
  • Traufseite: helle Klinker
  • Traufseite: Farbschattierungen, die auf verschmutzte weiße Fassade schließen lassen
  • Traufseite: weiß geputzt oder geschlämmt
  • Giebelseite: Stuckverzierungen lassen auf Putz schließen
  • Giebelseite: Fassade sehr hell, also weiß geschlämmt oder geputzt
  • rechts neben Baulücke: Weiß geschlämmt oder geputzt
  • großer Speicher: Weiß geputzt
  • Traufseite: Im Obergeschoss dunkler als Speicher, Erdgeschoss noch dunkler, wahrscheinlich Obergeschoss geputzt und Erdgeschoss geklinkert
  • Traufseite rechts neben Baulücke: Fachwerk
  • Traufseite: Klinker
  • zurück liegendes Haus Giebelseite mit Baum davor: Fassade sehr hell
    geschlämmt oder geputzt
  • zurück liegendes Haus Giebelseite mit Baum davor: Fassade sehr hell
    geschlämmt oder geputzt
  • Traufseite: dunkler geschlämmt oder geputzt
  • Zollamt, heutiges Schiffahrtsmuseum: geputzt
  • Traufseite: geputzt
  • Älteres Haus Giebelseite: geklinkert
  • Älteres Haus Giebelseite: geklinkert
  • Traufseite: geschlämmt oder geputzt