Die Anlegebrücke

Die Anlegebrücke

Die Anlegebrücke wird von Triebfahrzeugen befahren. Sie muss also eine recht stabile Konstruktion aufweisen. Dies wird durch eine hohe Anzahl von Stützen, die untereinander mit diagonalen Streben verbunden sind, erreicht. Die Darstellung der Querstreben ist im Modell problematisch, weil sie im Original nicht an der Wasseroberfläche enden. Die Illusion wird im Modell dadurch erreicht, dass die Querstreben zwischen den Stützpfeilern an der Wasseroberfläche enden.

Die Stützen

Die Stützkonstruktion wird aus gebeizten Zahnstochern hergestellt, die in Löcher in der Grundplatte eingeklebt werden. Damit es ein einheitliches Raster gibt, stelle ich eine Bohrschablone her.

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Die Bohrschablone besteht aus einem Rest Buchenholz. Es ist sehr hart, so werden die Löcher auch nach dem fünfzwanzigsten Bohren nicht aufgeweitet.
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Nachdem die erste Lochreihe gebohrt ist, klebe ich zwei Stifte in die Schablone. Nun geht das Bohren recht schnell.
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Das Bild zeigt, dass die Bohrschablone nicht ganz exakt war. In der Mitte laufen die 105 Löcher aus dem Ruder. Mit etwas Druck nach rechts konnte diese Ungenauigkeit ausgeglichen werden.

Nun muss die Wasserfläche mit Dispersionsfarbe schwarz gestrichen werden. Ein paar grüne Schlieren, die nass in nass aufgebracht werden, sorgen für eine gewisse Lebendigkeit. Auch beize ich genügend Zahnstocher für die Stützen.

Nachdem die Farbe getrocknet ist, klebe ich die Zahnstocher in die Löcher. Da eine Menge Farbe eingedrungen ist, muss ich die Zahnstocher mit einem kleinen Hammer in den Untergrund rammen. Danach schneide ich sie mit eine watenfreien Seitenschneider auf extra hergestellten Lehren in der richtigen Höhe ab.

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Mit dem Seitenschneider werden die Stützen gekürzt. Für die exakte Höhe habe ich mir zwei Lehren hergestellt. Die vordere ist 12 mm, die hintere 11 mm hoch. Die mittleren Stützen müssen kürzer sein, weil die Brückenoberfläche mit 1 mm starkem Sperrholz verstärkt ist.
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Alle Stützen sind gesetzt. Der unbeabsichtigte S-förmige Verlauf fällt ohne den Bleistiftstrich kaum noch auf.

Nachdem ich die Brückenfläche aufgelegt habe, macht sich Entäuschung breit. Irgendwie habe ich mir die Brücke interessanter vorgestellt. Nach einiger Überlegung komme ich auf den Grund….

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Die große rechteckige Fläche der Brücke sieht etwas langweilig aus.Deshalb schneide ich aus Papier ein Probestück, das eine schmale Auffahrt hat.

Die verjüngte Brücke sieht wesentlich besser aus, so entscheide ich mich für einen Umbau. Zuerst muss die vorhandene Sperrholzplatte entsprechend umgestaltet und dann die zu viel gesetzten Pfähle wieder ausgegraben werden. Natürlich kommen auch einige Stützen dazu. Sie müssen aber ohne Schablone gesetzt werden.

Nun schneide ich einige Meter 0,8 mm * 0,8 mm starke Vierkanthölzer aus Balsaholz. Sie werden natürlich wieder gebeizt. Dann schneide ich mit eine Nagelschere etwa 1,5 cm lange Abschnitte mit schrägen Schnittkanten ab. Sie werden an die Stützpfeiler als Diagonalstreben geklebt.

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Nach anderthalb Stunden Klebearbeit fällt die Brücke nicht mehr geradeaus ins Meer. Die Streben, die ein seitliches Kippen verhindern sollen, fehlen noch.
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Noch einmal die gleiche Zeit kleben und die Stützen sind vollständig gegen Umfallen gesichert. Ein kaum zu durchschauendes Wirrwarr von senkrechten und diagonalen Hölzern ist entstanden. Insgesamt besteht die Stützkonstruktion der Brücke aus etwa 250 Holzstücken.

Testobjekt des Bohlenbelags

Für Gleisverlegung auf der Anlegebrücke erstelle ich ein kleines Testobjekt. Dazu klebe ich mit Sekundenkleber zwei kurze Schienenprofile auf ein Sperrholzstück. Nun schneide ich entprechende Balsaholzplättchen, die ich mit der Rückseite des Skalpells einritze. So entsteht der Einddruck von Brettern. Entgegen meiner sonstigen Gepflogenheit klebe ich die Brettchen fest bevor ich sie mit Beize aus Pulverfarben färbe. Das hat den Vorteil, dass ich besonders an den Rillen für die Spurkränze noch Material abnehmen kann, ohne die Färbung zu zerstören. Mit dem Klebstoff muss ich aber besonders vorsichtig sein.

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Das unbemalte Testobjekt
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Das mit grauer Beize bemalte Testobjekt

Nun muss das Holz noch verschmutzt werden. Zwischen den Gleisen ist Öl von den Dampfloks heruntergefallen. Hierfür mache ich einigen Tests mit verdünnter Glanzfarbe. Auf den Bretter wachsen Algen, die mit grünen Staubfarben, die teilweise aufgehellt sind, dargestellt werden.

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Zwischen den Gleisen:
Links: Von der Verdünnung vom Pinselreinigen sieht man nichts mehr.
Mitte links: schwarz zu stark verdünnt
Mitte rechts: dunkel blau
rechts: blau-schwarz gemischt

Gleis und Bohlenbelag

Zuerst wird die Gleislage an Ort und Stelle angezeichnet und die Lage der Trennstelle für den zweiten Stromabschnitt festgelegt. Zur besseren Befestigung der Schienenprofile werden von unten 0,5 mm-Drahtstücke angelötet, die in Löcher gesteckt werden. Diese Löcher werden in die ausgesägte Grundplatte gebohrt. Es ist schon eine richtige Fummelarbeit bis die Drahtstücke sich an der richtigen Stelle befinden. Immer wieder muss ich die Lötstellen lösen. Mit Sekundenkleber werden die Profile auf die Grundplatte geklebt.

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Die Gleisprofile sind auf die Grundplatte geklebt.

An der Trennstelle haben die Gleise nicht exakt die gleiche Höhe. Hier passe ich die Profile mit 600er Schleifpapier an. Danach poliere ich die Oberläche mit scharfer Autopolitur, damit die Kratzer vom Schleifpapier nicht mehr vorhanden sind. Hier würde sich Schmutz, der die Stromaufnahme behindert, ansammeln. An die unten heraus ragenden Drahtstücke löte ich Lackdraht bzw. Litze.

Nach ausgiebigen Probefahrten mit verschiedenen Loks, beklebe ich die gesamte Anlegebrücke mit Balsaholz. Zwischen den Profilen ist das Holz 5 mm breit. Nach jedem Arbeitsschritt stehen wieder Probefahrten an. Mit Lasur aus Staubfarben altere ich das Holz. Nach dem Trocknen ritze ich etwa eine Stunde lang Bretterfugen ins Balsa. Überschlägig sind es etwa 1000 Stück. Zwischen den Gleisen haben die Loks ordentlich Öl verloren, deshalb graniere ich die Bretter mit blau-schwarzem Glanzlack.

Damit sich selbstständig machende Wagen nicht ins Wasser rollen, ist ein Balken am Ende des Gleises quer gelegt und mit zwei senkrechten Hölzern gegen etwaiges Verrutschen gesichert.

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Der Bohlenbelag ist fertig.
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Am Ende des Gleises liegt nur ein gesicherter Balken.

Montage

Zuerst bohre ich im noch offenen Teil des Bollwerks ein Loch in die Grundplatte. Hier werden später die Kabel durchgeführt. Am oberen Ende erweitere ich das Loch, damit die unten auch der Anlegebrücke heraus schauenden Drähte genügend Platz haben.

Im Laufe der Jahre hat sich die Grundplatte der Anlegebrücke leicht verbogen, so dass sie wirklich fest montiert weden muss. Zuerst benetze ich jeden der 100 Pfosten mit Ponal. Das dauert so lange, dass das Ponal des ersten schon angetrocknet ist, als ich mit dem letzten fertig bin. Natürlich wird auch am landseitigen Ende der Brücke Ponal verteilt. Nachdem ich die die Kabel durch das entsprechende Loch gezogen habe, lege ich die Brücke auf und richte sie aus. Dann wird die Brücke mit mehreren Farbflaschen über Nacht festgedrückt.

Am nächsten Morgen wird die Beschwerung entfernt und noch einmal 24 Stunden gewartet. Hier zeigt sich, dass die Geduld berechtigt war. Am landseitigen Ende hat sich die Brücke wieder angehoben. Also benetze ich alle Pfosten, an die Ich noch herankomme und die Auflagefläche an Land mit Sekundenkleber und drücke die Brücke noch einmal mehrere Minuten an. Die Zeit ist auf Grund der Menge an Kleber, die ich benutzt habe, notwendig. So bin ich sicher, dass er vollständig abgebunden hat. In der Hoffnung, dass sich die Klebfläche stark vergrößert, lasse ich nochmal Sekundenkleber auf den Übergang der Brücke zum Land fließen.

Die Kante der Brücke schaut so über das Niveau der Sandfläche heraus, dass kein Fuhrwerk auf die Brücke fahren könnte. Also mische ich das minitec-Streumaterial so mit Tiefengrund, dass eine Spachtelmasse entsteht. Mit dieser spachtele ich den Übergang an.

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Oben links ist der gespachtelte Übergang. Im Vordergrund rechts liegt der Deckel mit der Spachtelmasse.

Nachdem ich das noch im Bollwerk klaffende Loch geschlossen habe, spachtele ich die letzte offene Fläche mit Sandspachtel. Bei der Gelegenheit schaffe ich noch eine Gleisüberfahrt für die Fuhrwerke. Außen reicht der Sand bis auf Gleishöhe. Zwischen den Gleisen liegen Holzbohlen.

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Der Sand ist für die Überfahrten erhöht und die Holzbohlen liegen zwischen den Gleisen.

Die Klampen

Schiffe lassen sich an verschiedenen Einrichtungen festmachen. Hier gibt es einfache Pfähle, Poller mit einer Verdickung am oberen Ende, Poller mit durchgesteckten Stäben oder Klampen.Lange überlege ich mir, welche Art der Befestigungsmöglichkeiten sich im Modell umsetzen lassen.

Pfähle hätten schon beim Bau der Brücke als verlängerte Stützen berücksichtigte werden müssen. Sie erscheinen mir mit ca. 70 cm Vorbilddurchmesser einfach zu dick. Poller müssten gedreht werden. Diese Möglichkeit habe ich nicht.

Also entscheide ich mich für gusseiserne Klampen, die man auch heute noch in Häfen findet. Sie werden aus zwei Drähten mit 0,5 und 1 mm Durchmesser hergestellt. Der 1 mm dicke Draht wird am Ende in einem Schraubstock auf 0,5 mm platt gedrückt. Das Maß nehme ich, indem ich den dünneren Draht daneben zwischen die Backen halte. Solange er sich noch bewegen lässt, ist das Maß noch nicht erreicht.

Das platt gedrückte Ende des dickeren Drahts löte ich nun an den dünneren Draht, den ich mit Tesafilm auf einer Grandplatte fixiert habe. Dann werden beide Drähte gekürzt und die fertige Klampe angemalt.

Für die Montage baue ich mir eine Bohrschablone. So ist sicher gestellt, dass alle Klampen dem gleichen Abstand vom Brückenrand haben.

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Die Schaarhörn hat in Müsum festgemacht. Das Auge mit dem Palstek ist einfach über die Klampe geworfen.